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Auch Thomas Krützberg dankte Anne Eichhorn; Foto: Ev. Kirchenkreis Duisburg Auch Thomas Krützberg dankte Anne Eichhorn; Foto: Ev. Kirchenkreis Duisburg

Evangelische Kirche und Diakonie

Netzwerkerin geht in den Ruhestand

Anne Eichhorn ist und bleibt Netzwerkerin. Das Knüpfen von Kontakten, gemeinsam das Mögliche möglich machen, das hat ihr Berufsleben bei evangelischer Kirche und Diakonie geprägt. Genau so professionell versteht sie aber auch ihr eigenes ehrenamtliches Engagement, das sie seit ihrer Jugend nicht losgelassen hat. Den Beruf muss sie nun an den Nagel hängen, das Ehrenamt bleibt aber Ehrensache.

Anne Eichhorn ist mit dem Ehrenamt in der evangelischen Kirche aufgewachsen. Ihre Mutter war in der Rheinhausener Kirchengemeinde Presbyterin, sie selbst war schon früh beim CVJM in Friemersheim - zuerst in der Jungschar, dann Helferin. Dort und in der Kirche lernte sie erste Netzwerke kennen, die in den 70ern noch Nachbarschaften genannt wurden. Sie habe schon früh die klare Vorstellung gehabt, bei Diakonie und Kirche zu arbeiten. Nach der Schule war sie zunächst „Kindergärtnerin und Hortnerin“ in einer evangelischen Kita in Krefeld, dann folgte das Studium der Sozialpädagogik im Mönchengladbach. Nach einem halben Jahr offener Jugendarbeit bei der Stadt Duisburg sollte Anne Eichhorn bis zum Ruhestand nur noch evangelisch-diakonische Arbeitsjahre haben. Durch die kommunale Neugliederung 1975 sollte im Auftrag des Diakonischen Werkes Duisburg im neuen Duisburger Stadtteil Rheinhausen eine Diakoniestation in Friemersheim aufgebaut werden. Anne Eichhorn wurde - auch wegen ihres Netzwerkes - dafür ausgewählt. Sie sorgte dafür, dass bei der Diakonie auch in diesem Stadtteil Jugendhilfearbeit und Betreuungen durchgeführt wurden und Menschen in schwierigen sozialen Lagen eine Anlaufstelle fanden. Ihr nächster Arbeitsort war das Rheinhausener „Bürgerhaus Hütte“, wo sie mit dem damaligen Gemeindepfarrer und späteren Präses der Landeskirche Nikolaus Schneider mithalf, dass ein ganzer Stadtteil gegen die Schließung des Krupp-Hüttenwerkes aufstand. Ihre Aufgabe war es, bei dem Versuch Gewerkschaften und Gruppierungen im gemeinsamen Arbeitskampf zusammenzubringen, die Diakonie zu vertreten und die Verbindung zu den Kirchengemeinden zu halten. Schwer fiel es ihr nicht, Nähe zwischen Kirche und Gewerkschaft aufzubauen, als Rheinhausenerin, als Kirchenfrau und Tochter eines Krupp-Arbeiters.

Applaus für Anne Eichhorn bei ihrem Abschied; Foto: Ev. Kirchenkreis Duisburg Bild-LupeApplaus für Anne Eichhorn bei ihrem Abschied; Foto: Ev. Kirchenkreis Duisburg

"Die Netzwerkarbeit hört ja eigentlich nicht auf"

Dann wurde Anne Eichhorn als Assistentin der Geschäftsführung des Diakonischen Werkes Duisburg eingestellt. Dessen damaliger Leiter Pfarrer Wolfgang Eigemann begründete dies mit den Worten „das was Sie können, wird bei uns gebraucht“ und meinte damit, so Anne Eichhorn, „die ‚Kenne‘ der evangelischen Kirche, der Netzwerke, der Presbyterien“. Bald stieg sie zur Leitenden Sozialarbeiterin auf. Ihre Arbeitsgebiete hingen immer auch mit den Veränderungen in der Sozialgesetzgebung zusammen, auf die auch die Diakonie reagieren musste. Anne Eichhorn erinnert hier an das Pflegeversicherungsgesetz, das Kinderbildungsgesetz, die Zuwanderungsgesetzgebung, den Kinderschutz und das Gewaltschutzgesetz. Als Geschäftsführerin des evangelischen Frauenhauses übernahm sie auch viel Jahre das Amt der Sprecherin des Runden Tisches „Gemeinsam gegen Gewalt gegen Frauen“. Ihr war die Durchsetzung und Information über das Gewaltschutzgesetzes wichtig, „und es brauchte jemanden, der die Anträge beim Land stellt“, sagt sie rückblickend. Gremienarbeit, Sitzungen, Konferenzen und Netzwerken verlangte auch ihre Tätigkeit im Fundraising, in der Seniorenarbeit und dem Ehrenamt. Dieses förderte sie durch die Beratung der Gemeinden in Sachen Ehrenamt, aber auch mit einer Broschüre, die Kontakte zum Ehrenamt aufwies und nicht zuletzt mit der Gründung der Ehrenamtsmesse. Diese Werkschau des ehrenamtlichen Engagements wurde vor einigen Jahren zum „Danktag Ehrenamt der Diakonie“ umfunktioniert, „denn“, so Anne Eichhorn, „die Ehrenamtlichen sollten einmal nicht selber machen, sondern sich feiern lassen. Uns ging es um den Dank“. Mit ihrer Nachfolgerin Carmen Stanjohr, die sie derzeit einarbeitet, bereitet Anne Eichhorn gerade den nächsten Danktag für die Ehrenamtlichen vor. Die Kindergartenfachberatung ist mit dem Einstieg in ihre Altersteilzeit schon vor fast zwei Jahren als Arbeitsbereich in das Evangelische Bildungswerk Duisburg übergegangen. Das berufliche Kürzertreten half Anne Eichhorn „schon zu üben: Was mache ich in meinem Ruhestand, was mache ich nicht.“ Sie bleibt Presbyterin in ihrer Kirchengemeinde und Synodale im Kirchenkreis Moers. Im nächsten Jahr übernimmt sie auch noch den Vorsitz beim Gemeindeverband Rheinhausen, denn „die Netzwerkarbeit hört ja eigentlich nicht auf. „Ehrensache, klar, dass man das tut, so bin ich sozialisiert.“ Sie hofft, dass Kirche und Diakonie weiterhin nah bei den Leuten bleiben. Aber ihr Leitmotiv sei in Anlehnung an J.F. Kennedys Worte eher „Frag nicht, was die Kirche für dich tut, frag, was du für die Kirche tun kannst.“

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26.08.2016



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