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Foto: Diakoniewerk Duisburg Die Zentrale des Duisburger Diakoniewerkes; Foto: Diakoniewerk Duisburg

108 Häuser für Duisburg – Aktiv gegen die Wohnungsnot

Diakonie gegen Armut

In deutschen Großstädten sind die Mieten explodiert, die Einkommen dagegen kaum gestiegen. Der soziale Wohnungsbau wurde zugunsten privater Investoren vernachlässigt. Auf dem heiß umkämpften Wohnungsmarkt haben viele Menschen keine Chance mehr, um die sich die Diakonie kümmert. In Duisburg schafft das Diakoniewerk mit seinem Projekt "108 Häuser" deshalb selbst neuen Wohnraum.

Rechnungen, Kostenvoranschläge, Mietverträge – In der Post, die Immobilienkauffrau Svenja Lippka regelmäßig bekommt, dominieren die Zahlen. Doch manchmal finden sich zwischen den weißen Umschlägen auch bunte Postkarten, auf denen ein "Dankeschön" zu lesen ist. Über diese persönlichen Grüße der Mieter, denen Svenja Lippka eine frisch sanierte, bezahlbare Wohnung in Duisburg vermittelt hat, freut sie sich immer. In ihren früheren Jobs hat die Immobilienkauffrau eine solche Dankbarkeit selten erlebt. "In unserer Branche gehört es zum Standard, passenden Wohnraum für die Kunden zu finden."

Doch die Mieter, mit denen Svenja Lippka heute zu tun hat, sind anders als ihre früheren Kunden. Sie kennen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sucht und bisweilen sogar Obdachlosigkeit. Die meisten sind verschuldet. Jetzt leben sie in Räumen, die als unbewohnbar galten und lange leer standen. Im Projekt "108 Häuser für Duisburg" hat Svenja Lippka mit ihren Kollegen dafür gesorgt, dass diese Wohnungen wieder bezogen werden können – und zwar von Menschen, die sonst auf der Straße gelandet wären.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt startete im Oktober 2016 mit dem ehrgeizigen Ziel, 3.000 Quadratmeter leerstehenden Wohnraum in den 108 statistischen Quartieren zu erschließen, die es in Duisburg gibt. Bereits nach einem Jahr sind 1.400 Quadratmeter vermietet. 15 Singles, acht Familien und ein Ehepaar sind in 24 Wohnungen in der Größe von 30 bis 110 Quadratmeter gezogen. Svenja Lippka kennt alle Mieter persönlich. Regelmäßig fährt sie an den Häusern vorbei und fragt, ob alles in Ordnung ist oder telefoniert mit den Menschen, für die sie die Wohnungen renoviert hat.

"In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, für unsere Klienten in Duisburg preiswerten Wohnraum zu finden", erzählt Projektleiter Roland Meier vom Diakoniewerk Duisburg. 

"Gleichzeitig gibt es in unserer Stadt über 10.000 leerstehende Wohnungen, der Großteil davon ist in privater Hand." Genau hier setzt das Projekt an, dass das Diakoniewerk Duisburg gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEBAG und dem Sozialamt gestartet hat.

Svenja Lippka schaut sich mit einem Handwerkermeister leerstehende Wohnungen der GEBAG an und entscheidet, ob und wie diese saniert werden können. "Dabei ist es uns wichtig, dass die Wohnungen nicht alle in bestimmten sozialen Brennpunktvierteln liegen, sondern über die ganze Stadt verteilt sind", betont die Immobilienkauffrau. "Es soll keine Ghettoisierung geben."

Heizung und Sanitäranlagen setzt eine Firma in Stand, die mit der GEBAG zusammenarbeitet. Schreinerarbeiten wie die Renovierung von Türen und Fenstern übernehmen Langzeitarbeitslose. Sie werden in Maßnahmen zur Öffentlich geförderten Beschäftigung des Diakoniewerks Duisburg bei der Gemeinnützigen Gesellschaft für Beschäftigungsförderung mbH qualifiziert. Und die Malerarbeiten verrichten Menschen mit Behinderungen, die bei "Inwerk", einer Tochterfirma des Diakoniewerks, beschäftigt sind. "Wir verknüpfen hier bewusst zwei soziale Arbeitsfelder, die Wohnungslosenhilfe und die Ausbildungs- und Beschäftigungsförderung", erklärt Svenja Lippka.

Im Durchschnitt dauert die Sanierung einen Monat. An die erste Wohnungsübergabe an eine Familie, die von Obdachlosigkeit bedroht war, erinnert sich die Immobilienkauffrau besonders gern. "Die Kinder waren so begeistert, dass sie am liebsten direkt dort geschlafen hätten", erzählt sie. "Vorher lebte die Familie auf 35 Quadratmetern, jetzt hatte jedes Kind ein eigenes Zimmer."

Um die pünktlichen Mietzahlungen an die GEBAG kümmert sich Svenja Lippka. Auch wenn es mal Probleme mit den Nachbarn wegen Lärmbelästigung gibt, ist sie zur Stelle und sorgt für ein Einvernehmen der streitenden Parteien. Wo sie nicht selbst helfen kann, vermittelt sie in die Beratungsdienste der Diakonie. Regelmäßig trifft sie sich mit den anderen Kooperationspartnern des Projekts. "Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos", meint sie.

Projektleiter Roland Meier will nun einen Schritt weitergehen und auch private Vermieter für das Projekt gewinnen. Dabei hat er auch die sogenannten "Schrottimmobilien" im Blick.

Sie gehören häufig Erbengemeinschaften, die nicht in Duisburg leben und die Vermietung ihrer Häuser an Hauswirte übergeben haben, die sich an der Vermietung der renovierungsbedürftigen Wohnungen bereichern. Das Land NRW unterstützt das Projekt mit rund 100.000 Euro pro Jahr. Roland Meier und Svenja Lippka möchten es zu einem festen Bestandteil des Duisburger Wohnungsmarktes machen.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Immerhin hat auch die Politik versprochen, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen in den kommenden zwei Jahren rund 200.000 Wohnungen. Das Thema beschäftigt den Landtag jetzt in mehreren Anhörungen.

Text: Sabine Damaschke, 5.3.2018 www.diakonie-rwl.de

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06.03.2018



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