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Die Synode votiert für Klartext gegen rechte Flügel; Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg Die Synode votiert für Klartext gegen rechte Flügel; Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg

Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg

Erlärung des evangelischen Kirchenparlament gegen rechts

Eine Erklärung gegen den Pegida-Aufmarsch in Duisburg kam ganz vorn auf die Tagesordnung der Abgeordneten des evangelischen Kirchenparlamentes: Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg beschloss gleich zu Beginn Klartext zur Organisation „Pegida“ und deren Gesinnungsgenossen „auf der Straße und in den Parlamenten“.

Die Aussprache zu den Berichten aus Gemeinden, Einrichtungen und Werken über die Arbeit der letzten zwölf Monate ist traditionell der erste große Tagesordnungspunkt bei den Herbsttagungen der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg. So wurde auch am Freitag, 15. November 2019 im Meidericher Gemeindezentrum zunächst der Jahresbericht des Superintendenten vorgestellt. Dieser ging nach einer Auslegung der Jahreslosung auf Ereignisse und Entwicklungen ein, die ihn, den Kirchenkreis und seine Gemeinden im letzten Jahr beschäftigten. Allein drei Seiten nahm sich Superintendent Schneider Raum für den Abschnitt „Rechtspopulismus und rechte Gewalt – beunruhigende Beobachtungen“. Darin ging er u.a. auf die mit der Europawahl verbundenen Plakataktion der Partei „Die Rechte“ und den Anschlag in Halle ein. Was die Wahlerfolge der AfD mit dem Anstieg antisemitischer Angriffe oder rechter Gewalttaten zu tun habe ist für Superintendent Schneider klar: „m. E. lässt es die AfD bewusst zu, dass es an ihren Rändern fließende Übergänge zur rechtsradikalen Szene gibt. Hier darf es keine Toleranz geben. (...) Im Alltag sind wir alle gefragt: In unseren Gemeinden und Einrichtungen, in unserer Stadt und in unseren Quartieren setzen wir uns mit langem Atem für eine Kultur der Mitmenschlichkeit und der Toleranz ein, wir ducken uns vor Stammtischparolen nicht weg, sondern setzen ihnen mutig und beharrlich unsere Argumente, unsere Menschlichkeit und unseren Glauben entgegen.“

Stellen wie diese, aber auch der besorgniserregende Stimmenzuwachs der AfD bei der Landtagswahl in Thüringen veranlassten einige Synodale auf der Tagung eine Erklärung vorzulegen, die diesen Gedankengang aufnimmt: Darin wird Pegida wird als „rechtsradikale rassistische Organisation“ bezeichnet, deren Leute und ihre Gesinnungsgenossen auf der Straße und in den Parlamenten - ausdrücklich genannt wird der Flügel der AfD - seien keine besorgten Bürger, sondern „Hetzer, die den demokratischen Rechtsstaat zerstören wollen.“ Aktueller Anlass für die Erklärung war der angekündigte Pegida-Aufmarsch in Duisburg am 17. November 2019. Dafür votierten die Synodalen - Pfarrerinnen und Pfarrer, gewählte Presbyterinnen und Presbyter der 15 Kirchengemeinden sowie berufene Mitglieder, die über die Beschlüsse der Synode gemeinsam den Kirchenkreis leiten - für eine Änderung der Tagesordnung, so dass sofort nach dem Jahresbericht des Superintendenten die Erklärung zur Abstimmung kam - die 90 Synodalen waren alle ohne Ausnahme für die Erklärung. Den Jahresbericht des Superintendenten ist auf dieser Seite unten im PDF nachzulesen; den Wortlaut der Eklärung gibt es hier:

„Nach längerer Unterbrechung hat die rechtsradikale rassistische Organisation Pegida für Sonntag, den 17. November 2019, eine Demonstration in Duisburg angemeldet. Man könnte die Auffassung vertreten, dass der Aufmarsch von ein paar Dutzend, die zum großen Teil nicht einmal Duisburger sind, der Rede nicht wert ist.

Die Evangelische Kirche in Duisburg vertritt diese Auffassung nicht. Pegida steht wie andere neo-faschistische Organisationen in unserem Land dem sogenannten Flügel in der Partei Alternative für Deutschland nahe. Die öffentlich gepflegten feinen Unterscheidungen zwischen Rechtspopulismus, Nationalismus und Rechtsradikalismus können nicht darüber hinwegtäuschen, dass völkische und rassistische Umtriebe drauf und dran sind, wieder in der Mitte unserer Gesellschaft Platz zu greifen. Das ist mit unserem christlichen Glauben unvereinbar.

Die Evangelische Kirche in Duisburg stellt fest: Diese Leute und ihre Gesinnungsgenossen auf der Straße und in den Parlamenten sind keine „besorgten Bürger“, sondern Hetzer, die den demokratischen Rechtsstaat zerstören wollen. Sie stehen nicht für die Interessen der „kleinen Leute“, sondern für eine Ideologie, in der die Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Dem überall und bei jeder Gelegenheit entgegenzutreten, ist die Pflicht aller Menschen guten Willens, gleich welcher politischen und religiösen Orientierung sie folgen.“

Das Bild zeigt die Synodalen bei der Abstimmung dieser Erklärung, einstimmig.

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18.11.2019



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