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Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg

Diakonieleiter schreibt über die richtige Schärfe der Currywurst

Irgendwo drinnen in den Menschen leuchtet was

In der „Advent“, unserer 16seitigen Beilage von evangelischer Kirche und Diakonie - erschienen in WAZ und NRZ Duisburg am 1. Adventsamstag -, schrieb Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes Duisburg, eine schöne Glosse: Darin ging es ihm um die Wurst. Und ihm ging es darum, dass in der Adventszeit irgendwo drinnen in den Menschen was leuchtet. Nachzulesen ist das hier. 

Ab Mitte November zerfällt die Duisburger Menschheit in zwei ungleich große Hälften: Die eine besucht den Weihnachtsmarkt und hat über das christliche Fest, das diesem zu Grunde liegt, nur noch eine ungefähre Vorstellung. Die andere, kleinere, freut sich schon auf den Gottesdienst am Heiligen Abend. Diese Gruppe verabscheut den Weihnachtsmarkt.

Alles nur Rummel, alles Kommerz, und das christliche Abendland versinkt in einem Strudel von Glühwein. Die heilige Familie hatte, wie unser Korrespondent aus Bethlehem berichtet, keinen Raum in der Herberge. Hier entsteht die Raumnot höchstens vor den Reibekuchenständen. Nicht mal Windeln werden verkauft. Dafür Engel in allen Größen und Farben, und in der Krippe liegen statt  Stroh die guten belgischen Pommes. Wie viel schöner wäre doch Weihnachten, wenn es den Weihnachtsmarkt nicht gäbe. Mehr Innerlichkeit statt all der Äußerlichkeiten. Mehr Besinnung auf das Eigentliche. Ja, und dann sehe ich sie alle Jahre wieder: Die korpulente junge Frau mit dem gigantischen Tattoo im Ausschnitt und zwei Rotzblagen am Hosenbein, die direkt neben mir  (natürlich Schlips und Sakko) steht und wie ich die Currywurst nachgeschärft haben will. Darüber kommt man miteinander ins Gespräch. Und beim letzten Glühwein vor Toresschluss fällt mir auf, wie still es auf der Königstraße ist, obwohl sie proppenvoll vor Menschen steckt. Keiner brüllt herum, und alle sind eigentlich so richtig freundlich zueinander. Entspannt und friedlich flanieren Alt und Jung,  Gut und Böse über den Weihnachtsmarkt. Und so entspannt und friedlich werden sie auch am 24. Dezember in den Kirchen sitzen, die meisten zum ersten und letzten Mal in diesem Jahr. Aber das macht nichts. Irgendwo drinnen in den Menschen leuchtet was. Geht doch. Also: Stille Nacht allerseits!

Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz
Leiter des Diakonischen Werkes Duisburg

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02.12.2019



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