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Reisehilfe für kleine Gäste im Hauptbahnhof Duisburg; Foto: Diakonisches Werk Duisburg, Andreas Reinsch Reisehilfe für kleine Gäste im Hauptbahnhof Duisburg; Foto: Diakonisches Werk Duisburg, Andreas Reinsch

Einmal Berlin ohne Koffer und Kudamm

Ehrensamtsgeschichten aus dem aktuellen Diakoniejahrbuch

Im aktuellen Jahrbuch 2019 der Dienste und Einrichtungen der Diakonischen Konferenz geht es allein um ein Thema: Alle 20 enthaltenen Geschichten machen auf das Ehrenamt neugierig, vier davon tun dies mit den entsprechenden Fotos auf gedruckten Postkarten. Hier stellen wir eine der Ehrenamtsgeschichten vor. Es geht um das Ehrenamt in der Bahnhofsmission und „Einmal Berlin ohne Koffer und Kudamm“.

Morgens früh auf den ICE, vier Stunden Fahrt bis Berlin, fünf Stunden Aufenthalt in der Bundeshauptstadt mit Erledigung von Papierkram und dann vier Stunden zurück nach Duisburg. Wer tut sich denn nur sowas an? „Na, ich zum Beispiel, “ sagt Thomas Faulhaber und lacht, „und recht gern mache ich das noch dazu.“ Faulhaber reist im Ehrenamt. Der Mitarbeiter der Bahnhofsmission begleitet im mobilen Dienst Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen reisen wollen und das nicht alleine können. „Hast du nächsten Sonntag schon was vor?“ fragen Bodo Gräßer und Torsten Ohletz, die sich die Leitung der Bahnhofsmission teilen, manchmal bei Thomas Faulhaber nach. Dann ahnt der schon, dass wieder Not am Mann ist, oder an Frau und Kind. Da ist die Kleine aus dem strengen Kinderheim im Siegerland, die wenigstens ab und an ihre überforderte Mutter in Duisburg besuchen soll, damit der Kontakt nicht ganz abreißt. Die schüttet dem gestandenen Mann mit den bayrischen Wurzeln und seiner jungen Kollegin unterwegs oft ihr Herz aus. Sie genießt besonders die ungeteilte Aufmerksamkeit von zugewandten, erwachsenen Personen. Da ist auch die Frau aus Somalia, die lange obdachlos war und auch Stammgast in der Mission. Nun hat sie eine Wohnung und musste nach Berlin, zur Botschaft, um einen Pass zu bekommen. Sie war so aufgeregt, dass sie ein Bier brauchte, um die Reise zu überstehen. Faulhaber achtet in solchen Situationen darauf, dass es bei einem bleibt und sein Schützling nicht unterwegs verloren geht. Er hat selber lange in Berlin gelebt, deshalb bedauert er nicht, dass auf solchen Notfalltouren keine Zeit für Sightseeing und einen Bummel über den Kudamm bleibt.

„Sicher, da geht ein ganzer Arbeitstag bei drauf“, sagt der ruhige Mann mit den bunt tätowierten Armen, „das ist manchmal schwierig mit den Diensten hier in der Mission zu vereinbaren, aber es ist halt wichtig.“ Am liebsten denkt er an die Begegnung mit einer 85- jährigen Dame zurück, die schon lange nicht mehr allein gereist war. Sie hatte sich morgens zur Feier eines runden Geburtstags mit dem Zug nach Essen begleiten lassen. Abends holte ihr Helfer in der blauen Weste sie am Essener Taxistand vor dem Bahnhof wieder ab. Da war sie so voller Geschichten, dass die kurze Zugfahrt nach  Duisburg kaum reichte, um Faulhaber alles über ihre Erlebnisse zu erzählen. „Die war goldig und so glücklich über ihr Abenteuer, dass ich mir von ihrer Freude auch eine große Portion mit nach Hause nehmen konnte“, erinnert er sich. Neben den Reisebegleitungen im Nahverkehr organisiert die  Bahnhofsmission seit 2003 gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG den „Kids on Tour“ Begleitservice für allein reisende Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren. Von Duisburg aus sind die Strecken  Köln-Hamburg und Düsseldorf-Berlin erreichbar. Bahnenthusiasten, fitte Ruheständler, aber auch Studenten lassen sich für diesen Dienst zu ehrenamtlichen Reisebegleitern schulen. Sie betreuen bis zu fünf Kindern pro Begleitperson. Die Kinder werden ihnen an deren unterschiedlichen Startbahnhöfen von Mitarbeitern der Bahnhofsmission in den Zug zu ihren reservierten Plätzen gebracht.

Die Kleinen reisen zu einer Ferienwoche mit Oma und Opa. Oder zum Besuchswochenende mit einem Elternteil. Unterwegs werden Hausaufgaben erledigt, Spiele gespielt oder auch Probleme besprochen.

„Unsere Ehrenamtlichen im mobilen Reisedienst müssen zuverlässig sein und belastbar. Sie sollten sich im System der Bahn gut auskennen und sich auf die unterschiedlichsten Menschen einstellen können“, beschreibt Torsten Ohletz die Anforderungen. Und Bodo Gräßer fügt hinzu: „Das ist immer wieder ein kleines Kunststück, genug Leute zu finden, die das machen wollen und auch die nötige Eignung mitbringen.“

Mehr Informationen - gerne auch über die Arbeit der Bahnhofsmission - gibt es telefonisch (0203 / 333967), im Internet (www.bahnhofsmission.de) oder bei einem persönlichen Besuch in der Duisburger Bahnhofsmission.

Text: Sabine Merkelt-Rahm

Das Jahrbuch kann man hier als PDF nachlesen: http://www.diakonie-duisburg.de/Downloads/Diakonie-in-Duisburg_Jahrbuch_2019_web.pdf

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13.03.2020



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